Ludwig Diemer
Erbauer des Hanauerdoms
Brief bzw. Bericht von dem Erbauer der Kirche an den Oberkirchenrat in Karlsruhe.
Darunter die 'Übersetzung' des Dokumentes.
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Karlsruhe, am 6. September 1872 Evangel. Kirchenbauinspektion Bericht. Betr. Hohen Auftrag vom 26.Mai der Nr.35…entsprechend, legen wir die Pläne und Voranschläge für den Neubau der evang. Kirche in Rheinbischofsheim zur hochgefälligen weiteren Entschließung vor. Die Seelenzahl der Gemeinde Rheinbischofsheim nebst den zugehörigen Filialorten Hausgereuth und Holzhausen, beträgt 1857, die neue Kirche muss deshalb für 1857 x 7/12. = 1885 Kirchenbesucher Sitzplätze enthalten. Das Außmaß der Bänke nach vorliegenden Projekten, ergibt in der Kirche 1317 auf den Emporen 641.. zusammen 1958 laufende Fuß Bänke, was 1958/1,8 = 1080 Sitzplätze ,also ziemlich genau der gesetzlichen Bestimmung entspricht. Es lassen sich jedoch bei vermehrtem Kirchenbesuch, wenn nötig durch Vorbänke hier noch eine erhebliche Anzahl an Plätzen gewinnen. Wir haben eine Anlage gewählt, nach der die Sitzplätze möglichst nahe der Kanzel gelegt werden können, und das Anbringen umfangreicher Emporen ermöglicht. Dadurch wird die Kirche nicht zu groß und namentlich nicht zu lang, was für das Verständnis der Predigt von Einfluss ist und die Baukosten ermäßigt. Ähnliche Anlagen wurden in den letzten Jahren ,namentlich in Berlin, für mittelgroße Kirchen mehrfach mit Erfolg verwendet. Der Mittelbau ist erhöht um durch das günstig wirkende Oberlicht das Innere noch mehr zu erhellen. Im Übrigen konnte die Architektur in ganz einfacher Gliederung gehalten werden, die sowohl das Äußere als auch das Innere schon durch eine sichere Gruppierung auszeichnen wird. Die Ausführung haben wir uns, in Übereinstimmung mit dem in der Eingabe des Kirchengemeinderates vom 26.Mai.ausgesprochenen Wunsches, in Elsässer Sandsteinen gedacht, da die nächsten Badischen Brüche keine genügenden Steine und sehr wahrscheinlich auch nicht in der genügenden gleichförmigen Menge vergeben, die Wasserfracht auf den Elsässer Kanälen aber unerheblich ist. Wir würden die Stellung des Gebäudes so wählen, dass die Hauptachsen ,wie aus dem Situationsplan ersichtlich, nicht ganz mit jener der Kirchstrasse zusammenfällt, und zwar aus folgendem Grund: Der Turm mit Hauptportal kann dadurch etwas mehr gegen die Mitte des Platzes vorgerückt werden, ohne dass die Kirche selbst dem Pfarrhause näher käme. Alsdann ist der Ankauf des zur Linken der Kirche befindlichen Hauses bei dieser Stellung nicht unbedingt nötig, obgleich wir den Abbruch nach Vollendung der Kirche für sehr wünschenswert halten. Die etwas schräge Stellung des Gebäudes würde auch von der Hauptzugangsstr. einen Hauptüberblick über die ganze Kirche ermöglichen, und eine malerische Wirkung hervorbringen. Wir haben die Pläne im verflossenen Spätjahr einer mündlichen Verhandlung mit dem Kirchengemeinderat und dem Vertreter der politischen Gemeinde zu Grunde gelegt und erklärten sich einstimmig für dieses Projekt. Die Gesamtkosten werden sich, nach dem angeschlossenen Voranschlag, ohne Frohnden, für das von dem Kirchenwerk zu erstellenden Langhaus, auf rund 55000 fl, für Thurm und Chor und Sakristei ,wozu der Ortsbaufond baupflichtig ist, auf rund 18000 fl. belaufen, und haben wir dabei die Preisansätze dem heutigen Stande der Baupreise entsprechend angenommen. Diemer. |