Nikolauskapelle

Unsere Kirchen vor der Reformation:

Aus: Geschichte des badischen Hanauerlandes unter Berücksichtigung Kehls, Dr. J. Beinert, Kehl 1909 S. 116f:

„Früh schon wurden in den Orten des Korker Kirchspiels verschiedene Kapellen gegründet, so in Hausgereut und in Sand. 1288 war die alte Hausgereuter Kapelle längst wieder zerfallen. In diesem Jahr stiftete der Straßburger Kanonikus und Rektor der Pfarrkirche zu Kork Albert von Schalmozingen mit Willen des Chorsängers Rudolf von Chalmezingen zum Seelenheil des Abtes Konrad von „Chalmezingen“ Güter zur Neuerrichtung der Kapelle, da die Einwohner des Dorfes „husgerute“ wegen der Entfernung von Kork und der Schwierigkeit des Weges nicht dem hl. Messamt beiwohnen, noch ihre Kleinen in der Pfarrkirche taufen lassen könnten. Der Konvent des Klosters Eschau und Heinrich von Lichtenberg, Kanonikus in Straßburg, waren mit der Stiftung einverstanden mit dem Hinzufügen, daß täglich in der neuen Kapele die hl. Messe zelebriert werden müsse.

Mit dem Bau der neuen Kapelle wurde sogleich begonnen, im folgenden Jahre erlangte sie sogar einen päpstlichen Ablass auf den Stiftungstag, das Fest, genannt „heitenschey“, auf Weihnacht, Himmelfahrt, Pfingsten, die einzelnen Feste St. Mariä, des hl. Kreuzes, Johannes des Täufers, Jakobi und aller Apostel, St. Lorenz, Georgs, Vinzenz, Nikolaus, Katharinas, Margaretas, Cäcilies, Agnes, Elisabeths, Maria Magdalenas und Allerheiligen, zusammen auf 40 Tage.

Schutzpatron der Kapelle war der hl. Nikolaus. Die merkwürdige Urkunde ist mit dem Siegel des Papstes Nikolaus IV. behängt und trägt die Zeichen und Unterschriften folgender zwölf Bischöfe und Erzbischöfe:

Theotistus Adrianopolensis; Petrus Arborensis; Johannicius Mokicensis-Archepiscopi; Romanus Crohensis; Marcelinus Trabulensis; Valderunus Avellonensis; Mauritius Ameliensis; Bonifacius Terentinensis; Guillelmus Calensis; Petronius Larinensis; Conradus Tullensis-Episcopi;

Datum Rome anno domini 1289.

Die damals errichtete Kapelle steht heute noch. Ihr ehrwürdiges Mauerwerk hat allen Zeitstürmen getrotzt, nur das Langhaus scheint erneuert worden zu sein. Chor und Turm verraten deutlich das hohe Alter. Möge dieser Zeuge aus grauer Zeit nie der Geringschätzung zum Opfer fallen!

1425 ist Voltz Glotterer Pfarrverweser in Hausgereut, um 1454 Johannes Zoller. Wir finden 1471 Zoller im Streit mit der Gemeinde und „den Untertanen der Kirche“ wegen der Gewährung von 12 Pfd., die seinem Vorgänger, einem Herrn Gunther, gegeben worden waren. Die Angelegenheit wurde bei dem Schaffner in Lichtenau und dem Priester Jakob Isenbiss von Bischofsheim angebracht, welche dahin vermittelten, daß Zoller 1 Pfd. Geld erhielt, da die Pfründe gar klein sei.

Kurz vor Ausbruch der Reformation, 1515, machten ein Bischofsheimer Bürger und dessen Hausfrau der Kirche zu Hausgereut mit dem Wald „das nyder otenortt, gelegen in Urlouffer bann“, eine Stiftung. Zu ewigen Zeiten sollten dafür auf St. Vinzenztag vier Messen gelesen werden.

Seit der Reformation kam das Kirchlein ausser Gebrauch, und die Pfarrkinder wurden der Kirchengemeinde Rheinbischofsheim einverleibt.“

(S. 123):

„In einem Verzeichnis der Kapitelskasse zu Offenburg von 1552 werden die Abgaben der Geistlichen an den Bischof angeführt, wonach im oberen Hanauerland noch in folgenden Gemeinden katholische Pfarrer waren: in Willstätt, Bodersweier und Auenheim ein Rektor und ein Leutpriester, in Kork und Legelshurst je ein Vicarius perpetuus, in Hausgereut und Linx je ein Leutpriester (plebanus). Es scheinen wenigstens solche Geistliche entweder nominell oder in Wirklichkeit noch neben den protestantischen geamtet zu haben. Die Umwälzung der kirchlichen Zustände des Mittelalters konnte in der Neuzeit nur allmählich vor sich gehen.“