„Wie Erziehung und Bildung gelingen kann" oder

das Storchennestteam auf dem Weg zum Inhalt des Orientierungsplans für alle Kindergärten in Baden-Württemberg

Voller Spannung und Erwartung traten wir unsere Teamfortbildung gemeinsam mit dem Evang. Kindergarten Diersheim und Oberkirch am Dienstag, den 12.06.2007 an. Wir wussten, dass wir mit der Freiburger „Ideenwerkstatt Bagage“ eine gute Wahl treffen durften und wurden auch nicht enttäuscht. Abwechslungsreich, mit zahlreichen Impulsen für die praktische Arbeit im Kindergarten führte uns Referent Udo Lange durch den Tag im Evang. Gemeindehaus Oberkirch.

Mit dem ersten Baustein, von insgesamt 6, unter dem Thema „Chancen des Orientierungsplans“ wurden wir auf die Kindperspektive und Individualität eines jeden Kindes gelenkt. Die Aussage von Francois Rabelais (1484/93 – 1553)

„Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wolllen“

spiegelt das Bildungsverständis wieder, das Wissensvermittlung auch Selbstbildungsprozesse zulassen muß. Spricht man von der Bildung eines Kindes, dann meint das Selbst-Bildung. Den Umgang mit der Schere lernt ein Kind nicht unbedingt durch das gemeinsame Halten der Schere mit einem Erwachsenen. Nein, durch das selbsttätige ausdauernde Ausprobieren lernt es schließlich die Handhabung der Schere. Solche oft langwierige und zeitaufwendige Ereignisse kosten den Erwachsenen Kraft und Eisnicht, während des Prozesses nicht einzugreifen.

Wir Erwachsenen müssen Entschleunigung zulassen können und Kindern Erfahrungenslernen zulassen.

Bewerten sollten wir Kinder nach ihrer Engagiertheit und Motivation. Nicht nach dem reinen Endergebnis . Im Kindergartenbereich bestärkt es und darin, Kindern neben einer sinnesansprechenden Wissensvermittlung auch viel Freiraum für eigenständiges Tun und für das Ausleben kreativer Ideen zu ermöglichen. Das Lernen im Projekt, bei dem Kinder selbst den Stein ins Rollen bringen und fortbewegen, muß mehr und mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Eine grundlegende Aussage, die jedes neue Elternpaar bereits nach der Geburt ihres Kindes erfahren sollte, ist diese „Bildung beginnt mit der Geburt“. Für unsere Bildungspartnerschaft mit dem Elternhaus sollte dies bedeuten, dass der Austausch über die Bildung des Kindes nicht nur von Seiten des Kindergartens, nein auch und gerade von Seiten des Elternhauses Pflicht sein muß. Konkret könnte ein spezieller Fragebogen zur Bildung im Elternhaus und auch ein informativer Elternabend neue Eltern auf die Bildungschancen im Elternhaus aufmerksam machen . Eltern ins Boot holen und den Kindergarten nicht als isolierte Insel für Kinder betrachten, war schon immer ein großes Anliegen unseres Teams. Mit Familienausflügen wie kürzlich zur Burg Windeck, Familienfesten, Elterninfoveranstaltungen, Vater-Kind-Aktionen wie schon bald das geplante Zelten, mit zur Pflicht gewordenen jährlichen Entwicklungsgesprächen für Eltern über ihr Kind und vielen anderen Aktionen versuchen wir eine Brücke vom Elternhaus zum Kindergarten zu bauen.

Leider bemerken wir in unserer Praxis immer mehr, dass sich Eltern aus der Verantwortung Bildung und Erziehung im Elternhaus mehr und mehr zurücknehmen und gerne ein Großteil der Verantwortung an andere Institutionen wie Kindergarten, Vereine oder die Schule legen. Dass man mit den dortigen spärlichen Fachkraftbesetzungen nicht alles was zu Hause schief läuft gerade rücken kann, liegt auf der Hand.

Mit der abschließenden Aussage von Janusz Korczak (1878-1942) verabschieden wir uns mit dem heutigen Bericht und hoffen, dass es uns und allen anderen Erwachsenen gelingen mag Kinder mit Kinderaugen zu betrachten:

„ Ihr sagt: „Der Umgang mit Kindern ermüdet uns.“ Ihr habt recht.

„Denn wir müssen zu ihrer Begriffswelt hinuntersteigen. Hinuntersteigen, uns herabneigen, kleiner machen.“

Ihr irrt Euch. Nicht das ermüdet uns.

Sondern das wir zu ihren Gefühlen emporklimmen müssen. Emporklimmen, uns ausstrecken, auf die Zehenspitzen stellen, hinlangen, um nicht zu verletzen.“

In diesem Sinne wünschen wir der ganzen Gemeinde eine erholsame Sommerzeit und grüßen herzlichst die Erzieherinnen vom Storchennest .