In Rheinbischofsheim existiert eine Traumgruppe!
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Wie schön! |
Ein allgemeiner informierender Vortrag über Träume und Traumgruppenarbeit fand statt am Freitag, 22. Juni 2007 um 20.00 Uhr im Gemeindehaus. Nach der positiven Resonanz lud Pfarrer Volker Kubach zu einem ersten Gruppenabend am Freitag, 6. Juli 2007 ins Gesprächszimmer des Pfarrhauses in der Kirchstraße 11 ein – und seither – mit Ausnahme des Ferienmonats August - , fand die Traumarbeit, wenn möglich, immer am ersten Freitag eines Monats statt. |
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Zum Ablauf (Setting) der einzelnen Treffen Die Sitzungen laufen immer nach einem festen, bewährten Muster ab, das einigen Anklang an Balint-Gruppen aufweist: Klären, wer Träume mitgebracht hat Es hat sich gezeigt, daß bei den Einfällen, welche die TeilnehmerInnen zu einem Traum äussern, diejenigen die hilfreichsten sind, die am spontansten gekommen sind und die scheinbar am wenigsten mit dem "Stoff' zu tun haben. In unserer Gruppe geht es weder um Rat, noch um eine Analyse des Traumes, sondern eher um ein Betreten der vom Traum selbst eröffneten Landschaft. Wer seinen Traum mit anderen zu teilen bereit ist, macht die Erfahrung, dabei selbst bereichert zu werden und einen immer größeren Respekt vor dem zu bekommen, was wir Seele nennen. Pfarrer Volker Kubach: „Als Seelsorger mit pastoralpsychologischer Ausbildung habe ich in vielen Begegnungen immer wieder die Erfahrung teilen können, daß Träume Wegweiser für das Leben, oft auch spirituelle Wegzeichen sind. Um diesem Geheimnis der Träume näher zu kommen und um den aufmerksamen Umgang mit ihnen zu pflegen, soll in unserer Kirchengemeinde eine Traumgruppe entstehen. Dazu sind Interessierte herzlich eingeladen. Bedingung für die, die sich auf diese Gruppenarbeit einlassen: Schweigepflicht. |
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Über Träume Ohne Träume und ohne Träumer gäbe es die Bibel nicht. Während wir heutzutage dazu neigen, Träume als „Schäume“ zur Seite zu schieben, weil wir die Welt und uns selbst nur rational erkennen wollen, waren Traumbotschaften für die Menschen früherer Jahrhunderte und gar Jahrtausende immer Botschaften der Seele (Anima), wenn nicht gar Wort Gottes. Zu recht spricht der Autor vieler Traumbücher, der Pfarrer und Psychoanalytiker Helmut Hark (Evang. Landeskirche in Baden) bei Träumen und ihren Botschaften von „Gottes vergessener Sprache“. In der Bildersprache der Seele in den Träumen seiner Patienten sieht er – und viele andere - immer wieder Heil- und Heilungsbotschaften zum Ausdruck kommen, die es zu verstehen und umzusetzen gilt. |
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In der Bibel selbst begegnen wir diesen Zusammenhängen. Wir kennen im Alten Testament den traumbegabten Joseph , der aber gerade durch seine intuitive Begabung den Neid und die Missgunst seiner Brüder erfährt. Das freimütige Erzählen seiner Träume bringt ihn in ernsthafte Gefahr. Seine Brüder verkaufen ihn als Sklave nach Ägypten. Dort aber erlebt Joseph die segensreiche Kraft seines Traumvermögens. Seine Traumdeutungen (Joseph: Nur Gott gibt das Verstehen der Träume!) beim Mundschenk des Pharao führen ihn aus dem Gefängnis heraus und machen ihn, nach den erfolgreichen Erklärungen der Träume des Pharaos (sieben fette und sieben magere Kühe!) gar zum Stellvertreter des Pharao und damit zum zweitwichtigsten Mann in Ägypten. Am Anfang der Profetenlaufbahn des Samuel steht die Berufung im Tempel zu Silo. Beim Tempelschlaf in der Nähe der Bundeslade wird Samuel im Traum mehrmals von Gott gerufen, da Samuel aber die Stimme Gottes im Traum noch nicht kennt, geht er jedes Mal zu seinem Priesterlehrer Eli, weil Samuel meint, jener habe ihn gerufen. Eli inititiert dann den jungen Adepten und fordert Eli auf, bei wiederholter Anrede zu antworten: „Ja, Herr, hier bin ich – sprich!“ Wenn ein König nicht mehr auf Gott hört und nur noch selbstsüchtiger Machtpolitik folgt, dann kann es sein, daß Gott nicht mehr spricht. Zur Zeit des Königs Saul sprechen weder die Losorakel im Jerusalemer Tempel, noch gibt es Profetenwort, noch spricht Gott durch irgendwelche Träume. In Träumen spricht Gott zu allen Menschen. So wird in der Bibel nicht nur von den Träumen des Pharao erzählt, sondern auch von einem Traum des Königs Nebukadnezar aus Babylon. Der Prophet Daniel wird ihm helfen, diesen Traum zu verstehen. |
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Ohne die hilfreiche Seelenführung und Aufmerksamkeit auf Träume, wäre es gar nicht zu dem gekommen, was wir heute Weihnachten nennen. Wie im Alten Testament haben wir auch im Neuen Testament einen traumbegabten Helden des gleichen Namens Josef , nämlich den Mann der Maria, von dem wir im Matthäusevangelium hören. Er will Maria, seine Verlobte, schon heimlich verlassen, da erfährt er durch Engelstimme im Traum, daß das Kind von Gott und als Retter der Welt vorgesehen sei. Die Schutzfunktion des Traumes wird besonders deutlich, als besagter Engel wieder im Traum laut wird, um Josef und seiner jungen Familie anzuzeigen, welche Gefahr durch den Despoten Herodes droht und um den Fluchtweg nach Ägypten anzuraten. Dieselbe warnende Traumstimme erreicht auch die drei Könige (ursprünglich Magier) aus dem Morgenlande, die ihnen dringend nahe legt, nicht mehr nach dem Besuch beim neugeborenen Gottessohn bei Herodes vorbei zu schauen, um diesem den Fundort des göttlichen Kindes mitzuteilen. Nach Jesu Tod kommt es zum kirchenbegündenden Pfingstereignis. Was Joel im Alten Testament angekündigt hatte, wird jetzt, in einem Jerusalemer Haus, wo sich die Jüngerschar mit Maria versammelt hatte, Wirk-lichkeit. Gottes Geist kommt über seine Freunde – und diese beginnen zu verkündigen, Visionen und Träume zu haben und zu heilen. Soziale Unterschiede werden aufgehoben. In der Apostelgeschichte des Lukas, die ein Namhafter Neutestamentler einmal „die Traumstraße des Evangeliums“ genannt hat, geschehen immer die entscheidensten Wendemarken der Geschichte im Zusammenhang mit Träumen. Saulus, nach seinem Sturz vom hohen Ross zum Paulus geworden, wird als Blinder in Damaskus von einem Christen namens Hananias geheilt, nachdem dieser zuvor im Traum von Gott die Botschaft erhalten hatte, den Paulus aufzusuchen und ihm die Hände zur Heilung aufzulegen. Petrus , der strikt der Meinung war, die junge Christenheit sollte dem Weg jüdischer Gesetzestradition und Lebenspraxis folgen, wozu auch die koschere Küche gehört, erlebt in einer Traumvision die Aufforderung Gottes, ihm bisher als unrein geltende Nahrung zu verzehren. Petrus versteht diese Traumbotschaft unmittelbar danach in der Begegnung mit dem römischen Hauptmann Kornelius als christliche Freiheit, sich zugunsten des allgemeinen Menschlichen sich auch von bestimmten Traditionen lösen zu können; in dieser Hinsicht hat ein Traumereignis das junge Christentum aus einer provinziellen Angelegenheit in einer weit entfernten Ecke des römischen Weltreiches zur Weltreligion werden lassen. Eine ähnliche revolutionierende Wirk-lichkeit rief der Traum an Paulus hervor, in welchem der Apostel einen unbekannten Mann vor sich sah, der ihn nach Europa, nach Griechenland herüber rief. Durch dieses Traumgesicht veranlasst, machte sich Paulus auf den Weg, die frohmachende Botschaft des menschenfreundlichen Gottes aus Kleinasien nach Europa hinüber zu bringen – womit wir einen (übrigens kaum bekannten) der Gründungsmythen Europas vor uns haben. Der andere Gründungsmythos Europas handelt von der Entführung der Prinzentochter Europa aus Palästina nach Kreta – eine Ursprungsgeschichte, die zugleich eine Unrechtsgeschichte den Frauen gegenüber darstellt. Anders dann Paulus, der Europa zum Tramkontinent macht, denn seine erste wirk-liche Begegnung mit einem Europäer wird die mit Lydia sein, aus der heraus eine erste kontinentale Gemeinde hervorgehen sollte. Die protestantische Kirche wäre ohne die Beachtung der unbewussten Kräfte wohl nicht so entstanden, wie es schließlich gekommen ist. Bekannt ist der wegbereitende große Traum des Kurfürsten von Sachsen , der jenen Herrscher in Luther sofort den anstehenden Glaubenshelden erkennen ließ. In fast aussichtloser Zeit und drohender Auslöschung durch die kaiserlichen und katholischen Kräfte, träumte dem Co-Reformator Philipp Melanchthon aus dem badischen Bretten (unsere evang. Landeskirche in Baden!) vom antiken Helden Ajax mit der Siegesfahne Christi, der den Sieg besorgen würde, was – den reformatorischen Mitstreitern mitgeteilt – zu innerem Kraft- und Hoffnungszuwachs sorgte. Wenn in Martin Luthers Schriften das Wort Traum meist im negativen Sinn verwendet wird, dann liegt das an der damals notwendig gewordenen Abgrenzung schwärmerischen Kräften gegenüber. Traum bedeutet bei Luther jedoch fast nie den Traum, wie wir ihn als tatsächlich erlebtes Traumerleben meinen, sondern als ideele Wunschvorstellung, also gerade nicht als die Stimme des Unbewussten, nicht als vergessene Sprache Gottes, sondern als rational begündetes ideologisches Konstrukt. In wichtigen Lebenslagen ließ sich Luther, auch Luthers Frau, von Melanchthon die Träume deuten. Weitere wichtige Träumer der neueren Kirche sind ohne Zweifel Martin Luther King „I have a dream“ und Dom Helder Camara „Wenn einer alleine träumt, dann ist es nur ein Traum; wenn viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit…“ |
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