Rede zum Solartag in Rheinbischofsheim

Elvira Drobinski-Weiß MdB 17.06.2007

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie haben Ihr diesjähriges Solarfest unter den Titel „Ist die Schöpfung noch zu retten?“ gestellt. Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Einladung bekam, heute nach Rheinau zu kommen und zu Ihnen zu sprechen.

Denn dieser Titel „Ist die Schöpfung noch zu retten?“, diese wenigen Worte, umfassen inhaltlich sehr viel. Sie verbinden aktuelle politische Fragestellungen mit der christlichen Glaubenswelt von Gottes wunderbarer Schöpfung, in die wir hineingestellt und deren Teil wir sind. Mit Martin Luther könnte man sagen „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen..“ Dieser Schöpfung sollten wir Bewunderung, Dank und Respekt zollen.
Und anders als mancher es empfindet, sehe ich Politik, technologische Entwicklungen aus den Erkenntnissen der Naturwissenschaft heraus und Religion nicht als Gegensätze.

Denn ausgehend vom Gedanken einer göttlichen Schöpfung, ist es unsere Aufgabe als Menschen, dieses göttliche Werk zu erhalten. Anstatt sie zu zerstören, sollen wir im Einklang mit der Natur leben. Im Ergebnis heißt das, ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt, mit der Tier- und Pflanzenwelt, mit den Bedingungen, die unser Klima schaffen, also den Dingen, mit denen gemeinsam wir geschaffen sind, ist unser Auftrag. Gott selbst verspricht der biblischen Überlieferung nach am Ende der Sintflut, die Erde nicht erneut zu strafen

„Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen (..) solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

In der Situation in der wir uns gegenwärtig befinden, erscheint die Zukunft dieser Zusage der regelmäßigen, auch Leben spendenden Regelmäßigleiten unsicherer als je zuvor. Und der Satz beginnt ja auch mit der Einschränkung „solange die Erde steht“. Dies impliziert die Möglichkeit einer Zerstörung der Erde. Tatsächlich sind wir heute durchaus in der Lage, sie von Menschenhand zu vernichten. Zunächst durch unsere Waffen, die es ermöglichen die Welt innerhalb kürzester Zeit auszulöschen.

Aktuell aber auch durch die schleichende Zerstörung der Lebensgrundlagen. Seit Jahrtausenden sind die in der Bibel aufgeführten Abfolgen von Tag und Nacht, Saat und Ernte gleich geblieben. Mit dem durch uns Menschen in besonderer Weise hervorgerufenen Klimawandel steht nun auch dies in Frage: Wir selbst bringen dieses Mal die Grundlagen unserer Existenz in Gefahr.

Doch ich bin überzeugt, dass es noch Auswege gibt. Versuchen wir sie zu gehen, indem wir unser Wissen über die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge nutzen und daraus technische Neuerungen entwickeln.

Aber Vorsicht: nicht bei jeder dieser Neuerungen ist gesagt, ob sie positive oder negative Folgen zeitigen. Als Verbraucherschützerin denke ich dabei an gentechnisch veränderte Pflanzen, wo Chancen und Gefahren ernst genommen werden müssen.

 

Jedoch - es bleiben unzweifelhaft positive Beispiele.

Die Nutzung der Solarenergie gehört dazu. Gelingt es, die Solartechnik weiterzuentwickeln und effizienter zu machen, können wir den Energiebedarf decken, jeder für sich auf seinem Haus, und gleichzeitig die Schöpfung schonen. Rheinau ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie dieser Ansatz aussehen kann. Ihre Stadt hat Vorbildcharakter, wenn es darum geht, anderen zu zeigen, wie ein Umdenken aussehen kann. Mit der Solarenergie setzen Sie dabei auf das richtige Pferd, denn es handelt sich um eine sehr umweltschonende und dabei sogar ästhetisch nicht störende Energiegewinnung. Ich denke dabei immer an einen Satz meines Kollegen Hermann Scheer, der sagt, wenn alle Häuser Solarzellen auf ihren Dächern hätten, könnte man auch weitgehend die Überlandleitungen von den großen Kraftwerken her einsparen, die die Landschaft verschandeln.

Entscheidend ist aber, dass Solarenergie emissionsfrei ist und den Klimawandel nicht befördert.

Ich kann daher nur sagen: gehen Sie weiter voran. Es lohnt sich.

Wir in der Politik haben dabei die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Langsam setzt sich, zumindest in Deutschland, bei allen politisch Verantwortlichen die Erkenntnis durch, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Das Problem ist also auf politischer Ebene erkannt. Wie ich es angedeutet habe, muss die Lösung aus meiner Sicht ganz elementar in der Förderung regenerativer Energien liegen, nicht nur in Deutschland. Dabei werden noch viele Hindernisse, Bedenken und Schranken in den Köpfen aus dem Weg zu räumen sein. Wir haben es ja alle auf dem G8-Gipfel von Heiligendamm gesehen.

Bürger, Politiker und Wissenschaftler, Christen und Nichtchristen, gemeinsam ist es aber unsere Aufgabe, einen Ausweg zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass dann die Schöpfung noch zu retten ist.