31. DEKT Köln 2007Predigt Schlussgottesdienst AKTUELL |
„Steh auf und iss“ 1 Könige 19, 1-13a Mechthild Werner
Liebe Schwestern und Brüder am Rhein, und fast hätte ich gesagt – und im Rest der Welt ...
denn sie hat auf uns gesehen, auf Heiligendamm und Köln. Bewegte Tage: G 8, 8 Minuten für Gerechtigkeit und jetzt 8 Minuten Predigt. Aber - was kann ich, was können wir bewegen? „Steh auf und iss“ hören wir. Währenddessen verhungern und verdursten Kinder. Weil Brot und Wasser ungerecht verteilt sind, weil Regen und Ernten fehlen in Afrika – der arme Süden leidet zuerst unter dem extremen Klima.
„Steh auf ...“ Wer steht auf, bewegt etwas? Acht Weltmächtige könnten es. Kamen aber nicht groß voran im Kampf gegen Armut und Ausbeutung der Erde. Ein Arbeitsessen, das am Ende den Klimaschutz „in Betracht zieht“; den Zaungästen aus Afrika ein Häppchen Entwicklungs-hilfe reicht. Besser als nichts und doch ein Almosen. Wenig Bewegung. Aber : Zehntausende Menschen waren auf den Straßen. Hunderttausende haben hier gebetet, geredet, gezeigt, wie zu handeln ist auf diesem Globus: Gerecht! Und zwar jetzt: In Gottes Namen endlich Brot und Wasser teilen!
Heute fühlen wir: Gemeinsam sind wir stark. Machtgefühle . Es soll sich was bewegen in der Welt, da scheinen sich alle einig. Sogar die Werbung. Ich war begeistert über einige Spots für Afrika. Sah auch eine Werbung mit weißen und schwarzen Gesichtern „Wir haben ein Ziel“ hieß es da „eine bessere Welt – ohne Zahnbelag.“ Andere haben nix zu beißen und ich soll mich um Plaque sorgen, wählen zwischen 80 Zahnbürsten und Brotsorten. So ist das in einem G8-Staat. „Steh auf und iss ...“ Das darf man uns dicken Deutschen gar nicht sagen! Verfettete, verhungernde Welt.
Ohnmachtsgefühle beschleichen mich. Wie Elia. Er liegt am Boden. Dabei war er eben noch eifrig und oben auf. Allen hat er es gezeigt: sein Gott ist der Einzige. Der Eine, der Leben schafft. Der über das Wasser herrscht und alle Elemente. Der Schöpfer beweist den Götzen-dienern seine Macht, lässt es regnen. Und Elia fühlt sich gewaltig wie sein Gott, fast allmächtig und tötet seine Gegner. Darum wird er verfolgt, flüchtet in die Wüste.
„Es ist genug, Herr, nimm nun meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter.“ So zweifelt Elia, wirft sich unter einen Wachholder. Legt sich hin, zum Schlafen, das heißt in der Wüste zum Sterben. Genug gekämpft, genug falsch gemacht. Getötet im Namen des Lebendigen. „Es ist genug,“ stöhnt Elia. Ohnmacht und Schuldgefühle in der Wüste.
Und wir? Haben wir genug? Wie halten wir das aus, Nachrichten voller Gewalt - gegen Mensch und Natur. Hitze, Hochwasser, Hungerkatastrophen. Die Wüste wächst. Auch bei uns. Schwitzen im April, Anfang Juni Schnee. Und das ist nur der Anfang. Jetzt erst ist zu spüren, was vor Jahrzehnten an CO2 in die Atmosphäre geblasen wurde. Gegen die „nachhaltige Zerstörung“ hilft nur Umdenken und Umkehren. Treibhausgase entschieden verringern. Aber auf 50 Jahre will man jährlich gerade ma1 1% sparen, wenn man es schafft, heißt es. Die großen Acht fühlen sich an dieser Stelle nicht mächtig genug - und unschuldig.
Von wegen „ ich bin nicht besser als meine Väter.“ Anders als Elia sehen Regierungsväter und -mütter die Schuld eher bei den anderen. Warum soll Deutschland Vorreiter sein im Energiesparen? Warum ich? Warum soll ich langsamer Auto fahren und weniger fliegen - wo doch die Kühe rülpsen und pupsen? Irgendein Rindvieh findet sich immer, das schuld ist. So bleiben wir Spitzenreiter im Billigfliegen und – dank der deutschen Lobby und Industrie – beim Bleifuß mit 10-Liter-Karossen. Dabei meinen alle, nur Mitläufer zu sein: der Wirtschaft, die wachsen muss. Doch sind wir es nicht, die arbeiten, entscheiden, einkaufen? Wir sind Mittäter in Wirtschaft, Politik und den Kirchen. Gerade von christlich geprägten Ländern geht die globale Zerstörung aus. Die Erde haben wir untertan gemacht, weniger ehrfürchtig als fürchterlich - Gott entmachtet und uns an seine Stelle gesetzt, fast allmächtig. Und jetzt? Sind wir am Boden, ohnmächtig wie Elia? Nein.
„Ich bin nicht besser ... “ Darum geht es: Sich schuldig bekennen, um wieder anzufangen, aufzustehen. Das ist die christliche Botschaft. Gottes Bote redet da nicht lange rum. „Steh auf und iss..“ hört Elia. Mitten in der Wüste Brot, Wasser - ein Wort, das Lebensgeister weckt. Klares Wasser, in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Brot, goldbraun wie wogender Weizen, der die Sonne fängt. Die Schöpfung ist das sinnlichste Wort Gottes. „Siehe, es war sehr gut..“
Und was wird? „Es soll nicht enden Saat und Ernte ...“, verspricht Gott. Es wird gut, wenn wir in seinem Namen hinsehen, hinhören, handeln. Die Schöpfung steht auf dem Spiel. Keine Börsenbilanzen, sondern das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Da hilft kein Hocken über Statistiken und Sachzwängen, da muss der Hintern hoch und nicht wieder einschlafen. Aber das fällt schwer.
Auch Elia muss noch mal geweckt werden. „Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir“ Elia isst, trinkt, geht gestärkt weiter - tagelang. Am Horeb zieht er sich müde in eine Höhle zurück und in sich selbst. Aber da ist Gott vor: „Geh heraus “, sagt er. Der Lebendige will vorübergehen und Elia bewegen. Diesmal nicht elementar in Wind, Feuer und Erdbeben sondern im „sanften, stillen Sausen.“ Sanft bringt Gott den eifrigen Elia ins Leben zurück. So tritt ein Mensch heraus, weder allmächtig noch ohnmächtig, aber so mächtig, weitere Schritte zu wagen. Denn - Gott geht voraus.
Also: Raus aus der Höhle. Bewegen wir was. Noch nie gab es ein so breites Bündnis wie in der Klimaallianz. Es wird ein weiter Weg, für die Schöpfung einzutreten, aber der Schöpfer geht voran. Sehen und hören wir auf ihn; gerade auf sein „stilles Sausen“. Denn wir sollten uns besinnen, wohin es gehen soll. Zurück zu tödlicher Atomenergie oder entschieden voraus zu alternativen Energien, zu Umwelttechnik aus Deutschland - wo bleibt der VW Hybrid? Da nehmen wir Kanzlerin Merkel beim Wort, die hier sagte: „Aus Heiligendamm gab´s keine Heilsversprechen“ - die haben wir ja auch schon. Aber handeln sollten Sie, jetzt! Umkehren, Luft und Leben schonen: Wir brauchen den Klimawandel in den Köpfen und Herzen.
Dazu stärke uns Gott mit seinem Wort, Christus mit Becher und Brot, der Geist mit Mut, damit wir teilen. Kein Kind soll verhungern oder verdursten. Sondern eines Tages fragen: „Was war eigentlich `G 8´?“ Und hören: „Ach geh, das heißt heute `geb t acht´ aufeinander.“ Dann sind sich die Menschen aller Länder und Religionen einig: Es gibt einen Schöpfer-Gott, gleich wie wir ihn nennen, einen Globus, eine wunderbare Welt. Geben wir gut auf sie acht. AMEN
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Unsere Bilder vom Kirchentag in Köln