Die 'Thomaskapelle' in Holzhausen

 

 

Festrede zur Namensgebungsfeier der Thomaskapelle in Holzhausen
von Hr. Ortsvorsteher Siegfried Koch

 

Meine sehr geehrt. Damen und Herren, sehr geehrter Herr Pfarrer Kubach, sehr geehrter Herr Dekan Ihle,
lassen Sie mich zunächst Danke sagen,
zunächst einmal Ihnen, Herr Dekan Ihle, für Ihren heutigen Besuch aus Anlass der Namens-gebung unserer Thomaskapelle. Ich freue mich, dass Sie uns heute hier Ihre Zeit und Auf-merksamkeit schenken und uns bei diesem zwar kleinen aber für uns wichtigen Akt begleiten. Seien Sie uns herzlich willkommen.

Dank sage ich auch Ihnen, Herr Pfarrer Kubach, denn es war auf meine Klage hin Ihre spontane Idee, dieser Kapelle einen Namen zu geben. Bei unserem ersten ausführlichen Gespräch hatte ich mich beklagt, dass dieses Gebäude oft als Leichenhalle bezeichnet wird und es hat nun einmal nichts Erbauliches, wenn ich sage, ich gehe an Silvester in die Leichenhalle, um mit einem Gottesdienst das Jahr zu beschließen.
Darauf haben Sie spontan gesagt, dieses Haus braucht einen Namen.

Ein Sprichwort sagt: „Das Glück liegt in der Freude des Erreichten und im Erlebnis der kreativen Bemühungen.“ Ich freue mich, dass es erreicht wurde, für dieses Haus einen Namen zu finden, der zu Holzhausen auch einen geschichtlichen Bezug hat.
Denn zwischen 913 und 933 war das damalige Waldgebiet nördlich von Holzhausen durch den Bischof Richwin an St. Thomas in Straßburg gegeben worden. Bis heute ist das Gewann „Thomaswald“ den Holzhausern ein geläufiger Begriff. Schon von daher sehe ich eine große Akzeptanz des Namens in der Holzhauser Bevölkerung. Über den ‚heiligen Thomas’ hat Herr Pfarrer Kubach bereits gesprochen.

Advent bedeutet Ankunft.
Mit dem heutigen Tag und der offiziellen Ernennung dieser Kirche zur Thomaskapelle sind wir angekommen. Angekommen nach vielen Jahren und vielen Stationen. Noch im 19, Jahrhundert haben die Holzhauser ihre Verstorbenen auf dem gemeinsamen Friedhof in Hausgereut bestattet und dort ihre Trauerfeiern abgehalten. Die Toten wurden bis zur Beerdigung in den Häusern aufgebahrt, der Trauerzug führte dann vom Trauerhaus bis hin zum Friedhof. Die Trauergemeinde war allen Witterungsverhältnissen ausgesetzt.

Gottesdienste wurden damals im Dom in Bische, in Holzhausen im damaligen Bürgersaal und auch als Hausgottesdienste für die älteren Gemeindemitglieder abgehalten.

Mit der Errichtung dieses Kirchengebäudes haben die Holzhauser Christen in diesem Gebäude ein Stück Heimat gefunden. Dies war auch der damals noch selbständigen Gemeinde Holzhausen ein Anliegen, denn sie hatte der Kirchengemeinde das Grundstück zur Errichtung dieser Kapelle kostenlos überlassen und daran allerdings die Bedingung geknüpft, dass auch Trauerfeiern anderer Konfessionen in dieser Kapelle möglich sein sollten.

Heute sind wir angekommen, unser Kirchel hat jetzt einen Namen, unser Glauben, unsere Kirchengemeinde hat jetzt auch einen Ort, wir freuen uns über unsere kirchliche Heimat „Thomas-Kapelle“

In allem was man auch tut, man steht auch immer ein Stück weit auf den Schultern seiner Vorgänger. Und so freue ich mich, dass es unseren Vorgängern gegeben war, dieses Haus zu errichten und, dass uns heute gegeben ist, dieses Haus mit einem Namen zu versehen und so mit neuem Geben und Leben zu erfüllen, wie überhaupt, das ganze Leben ein Geben ist. Ich zitiere die Kehler Kommunalpolitikern Ursel Peckoldt:

Unser Leben besteht aus Geben.
Geben wir manchmal?
Eigentlich geben wir immer – geben immer wieder –
Wir geben uns die Hand,
dem Schaffner die Karte,
dem Bekannten einen Rat,
dem Freund einen Kuss,
den Kindern die Welt
und geben so das Leben weiter.
In der Gabe verdichtet sich dieses Geben, in Geschenken vor allem.
Zum Geburtstag, zum Namenstag, zum Wiedersehen,
zum Willkommen oder zum Abschied.
Geben zur Weihnacht – dem Fest der Geschenke.
Sie wollen ausgesucht sein, denn – sie sollen passen – also wohl überlegt.
Man ist auf der Suche nach Gaben
Dann das Verpacken, das Herrichten, das Ausrichten.
Die Übergabe, das Überreichen.
Dazu gehören das Bewundern, das Ansehen, Betrachten,
für die, die Schenken – und die, die beschenkt werden.
Geschenke sind Ausdruck einer Beziehung. Erinnern an Vergangenes und erhoffen für Zukünftiges – veranschaulichen Gemeinsames.
Können der Auftakt zu einer gedeihlichen Zukunft sein.
Im Christentum schenkt sich Gott den Menschen.
Wir schenken uns gegenseitig Anerkennung,
Wertschätzung und unsere Zeit.

Wenn wir das verinnerlicht haben, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger dann sind wir angekommen

Ich wünsche unserer Thomaskapelle dass Sie ein Ort der
Begegnung, ein Ort des Trostes, ein Ort der Erbauung
und ein Ort der Ankunft sei,
heute und an allen Tagen in der Zukunft.