Rede von Herrn Ortsvorsteher Siegfried Koch (Holzhausen) zum Volkstrauertag 2007
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitbürgberinnen und Mitbürger,
Der Volkstrauertag ist heute in erster Linie ein Gedenktag, eine Mahnung zu Frieden und Menschlichkeit in dieser Welt und als solcher wichtiger und aktueller denn je.
Wir legen jedes Jahr einen Kranz nieder am Ehrenmal für unsere Gefallenen und Vermissten . Ihnen zu Ehren haben unsere Vorfahren ein Ehrenmal geschaffen
Heute; 89 Jahre nach Ende des ersten und 62 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges gibt es kaum noch persönlich Betroffene. Es sind nur noch wenige unter uns, die persönlich betroffen waren oder Opfer persönlich gekannt haben.
Für uns heute ist dieses Ehrenmal eben ein Mahnmal oder Denkmal
ein Denkmal, das uns auffordert, ein Denkmal im Sinne „Denk mal“,
und es ist wirklich Zeit, wieder nachzudenken und den eigenen Verstand zu gebrauchen.
Es stellt sich wirklich die Frage:
Hat dieses und gleichzeitig viele andere Denk- und Mahnmäler ihr Ziel erreicht?
Hat die Menschheit aus diesen beiden schrecklichen Ereignissen gelernt?
Wir müssen uns eingestehen, die ehrliche Bilanz ist ernüchternd – die Mahnung zu Frieden, Liebe, Menschlichkeit, Achtung und Toleranz ist aktuell, ist nötig und gewinnt angesichts der Probleme dieser Welt immer mehr an Bedeutung.
Lassen Sie mich dies begründen:
- Als ich vor einigen Tagen dieses Thema mit Jugendlichen diskutiert habe, musste ich konstatieren,
dass ich mich an keinen Tag erinnern kann, seit ich diese Welt bewusst erlebe,
an dem nicht irgendwo kriegerische Auseinandersetzungen stattfanden,
an dem nicht Menschen wegen ihrer Herkunft, Rasse oder Gesinnung verfolgt wurden oder
an dem die Tugenden und die Menschlichkeit mit Füssen getreten wurden,
oft von Menschen, die eben nur ein größeres Stück von dem Kuchen haben wollten, als sie brauchen oder die süchtig waren, Macht auszuüben und andere zu beherrschen.
- Kriege werden aber nicht nur zwischen Staaten und Armeen geführt. Kriegerische Auseinandersetzungen werden auf der Straße, in unseren Schulen, in Vereinen und in Betrieben geführt.
Bereits vor über 20 Jahren hat der damalige Stuttgarter OB Rommel sinngemäß gesagt: „Die Zeit, als auf der Stuttgarter Königstraße die Deutschen unter sich waren, ist für immer vorbei“. Damit hatte er wohl Recht.
Die Globalisierung dieser Welt gibt es nicht nur in der Wirtschaft und nicht nur in riesigen Gewinnen unserer Konzerne in der Handelsbilanz. Durch viele Zuzüge ist Deutschland – wie alle europäischen Länder - mittlerweile ein multikulturelles Land geworden. Damit müssen wir umgehen, wie auch die Chinesen mit den Deutschen umgehen müssen, die dort im Management der international tätigen Konzerne den Ton angeben.
Es gibt keine Alternative zu einer erfolgreichen Integration der ausländischen Mitbürger!
Dies verlangt aber, dass wir uns gegenseitig Achtung und Respekt entgegenbringen.
Das bedeutet nicht, unsere eigenen Traditionen aufzugeben. Das Gegenteil ist gefragt.
Achten wir doch die Sitten und Gebräuche unserer Mitbewohner und leben wir selbstbewusst unsere eigenen christlichen Werte und Traditionen, soweit wir sie noch haben. Sollten Sie uns aber abhanden gekommen sein, dann laßt uns selbstkritisch die Ursache hinterfragen und gegensteuern. Unsere fremden Mitbewohner sind daran nicht schuld.
Ich habe Sorge, - sagte unser Altbundespräsident Johannes Rau – dass eine junge Gesellschaft heranwächst, die von allem den Preis und von nichts den Wert kennt .
Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine Rückbesinnung auf Werte, m.s.g.D.u.H.
und es gibt Werte, die kommen nie aus der Mode,
egal wie schnell unsere Welt sich auch drehen mag.
- Wirtschaftliche Probleme sind ein wunderbarer Nährboden, auf dem radikale Parolen gedeihen. Es ist nun einmal immer verführerisch, wenn man für alle Probleme einen Schuldigen benennen kann und vor allen Dingen damit selbst einem kritischen Blick entziehen kann. Ohne nachzudenken will man als Betroffener solches gerne glauben.
Das wissen natürlich auch die Rechtsradikalen, die die Not von Menschen gerne benutzen, um ihre Macht und ihren Einfluss auszubauen. Auf das Ergebnis brauche ich nicht einzugehen.
Dieses Handlungsmuster ist nicht neu. Auch Die Nazis haben danach gehandelt und den Juden die Schuld für alles in die Schuhe geschoben. Man hatte einen gemeinsamen Feind gefunden und war sich plötzlich einig und auch Könige im Mittelalter haben bei innenpolitischen Problemen die Reihen dicht geschlossen, in dem sie einen Krieg angezettelt haben, der alle zwang zusammenzustehen. Also auch hier gilt meine Aufforderung „Denk-mal“.
Und noch ein Hinweis erscheint mir wichtig. Man spricht heute immer von der Machtergreifung Adolf Hitlers und vergisst dabei, dass Adolf Hitler 1933 durch eine demokratische Wahl zum Reichskanzler gewählt wurde.
Unsere Politiker haben hier den Auftrag, mit Rahmenbedingungen das soziale Gleichgewicht und die Chancengleichheit zu wahren, damit die Menschen nicht ihre Perspektiven verlieren und in ihrer Hilflosigkeit billige Opfer der radikalen Szene werden.
Die Wirtschaft, m.D.u.H muss den Menschen dienen und zwar allen, nicht nur den Aktionären.
Wenn jemand einen ganzen Tag arbeitet und davon nicht einmal die Grundbedürfnisse des Lebens wie Kleidung, Nahrung und Wohnung finanzieren kann, dann ist es höchste Zeit, dass gehandelt wird.
- Und die Aufforderung unseres Ehrenmals im Sinne von „Denk ein Mal“ ist auch gefragt, wenn wie auch immer motiviert am Sonntag die NPD und deren Anhänger
in Freistett Hof halten.
Im letzten Jahr habe ich kritisch hinterfragt, ob es denn intelligent sei, dem TUN einiger alten Nazis und einer Hand voll Rechtsradikaler Jugendlichen hier am „Panzer Grab“ durch die Problematisierung Aufmerksamkeit und eine Plattform zu bieten. Darüber brauchen wir dieses Jahr nicht nachzudenken. Die rechtsradikale Szene hat hier mit diesem Panzergrab einen neuen Ort der Selbstdarstellung gefunden.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, die Tatsache, dass Menschen öffentlichkeitswirk-sam darauf hingewiesen haben, hat die Rechtsradikalen nicht aus der Taufe geho-ben. Die rechte Szene ist dadurch nicht entstanden. Diese wurde lediglich auf ein neues Objekt aufmerksam, das sie publikumswirksam für ihre Zwecke gebrauchen kann, egal ob dies eine Gedenkstätte oder ein Friedhof ist.
Ich meine es braucht im Umgang mit dieser Erscheinung
einerseits
Besonnenheit und Mäßigung, Selbstbeherrschung und Gelassenheit
andererseits aber auch
den Mut und die Entschlossenheit, nicht wegzuschauen, sondern für die
Werte unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft mit Ausdauer,
Beharrlichkeit einzustehen.
Ich schließe mit dem Satz, mit dem ich begonnen habe:
Der Volkstrauertag ist heute in erster Linie ein Gedenktag, eine Mahnung zu Frieden und Menschlichkeit in dieser Welt und als solcher wichtiger und aktueller denn je.